17.-19.02.2014

Harbin

Der kleine Mensch bin ich

Als wir in Harbin aus dem Zug stiegen, hatten wir uns auf das Schlimmste vorbereitet. Harbin ist die nördlichste Großstadt Chinas und befindet sich knapp vor der russischen Grenze. In der Vergangenheit kam die Stadt öfters in russischen Kontakt und stand unter deren Einfluss. Somit kam es auch dazu, dass Harbin nun russisch angehaucht ist. Dadurch, dass Harbin soweit im Norden liegt, ist es dort um einige Grad kälter. Warm eingemurmelt standen wir nun auf dem Bahnsteig und stellten fest: So schlimm wie befürchtet, war es überhaupt nicht. Gut gelaunt ging es ab zum Hostel. Von den Internetbewertungen wussten wir, dass wir keine großen Erwartungen haben durften. Trotzdem ließ das Hostel zu wünschen übrig. Wir konnten leider erst nachmittags einchecken, sodass wir irgendwie die Zeit totschlagen mussten. Also liefen wir in die Altstadt zur Zhongyang Dajie, die Hauptstraße und gleichzeitig Einkaufsstraße.


Dort standen überall Schneeskulpturen mit denen man hübsche Bilder machen konnte. Ein Vorgeschmack auf den kommenden Tag. Am Flutenkontrolldenkmal, welches direkt am Fluss liegt, gab es ein buntes Angebot sich auf dem Eis zu vergnügen. Amüsiert wagten auch wir es auf das Eis, beschlossen aber bald weiterzuziehen, bevor noch einer ausrutschte.


Es ging weiter durch die Altstadt zur St. Stophia Kathedrale, eine russisch-orthodoxe Kirche aus dem 20.Jahrhundert.


Wir sparten uns allerdings das Eintrittsgeld. Wir fanden es sowieso unverschämt für eine Kirche Eintritt zu verlangen. Zum Schluss wollten wir uns noch die neue jüdische Synagoge ansehen und waren sprachlos vor Schock. Noch nie in meinem Leben hatte ich eine so hässliche Kirche bzw. Synagoge gesehen. Wir waren sehr enttäuscht.

Endlich konnten wir im Hostel einchecken, sodass wir uns erst einmal eine Pause gönnen konnten und uns ein paar Stunden wieder aufwärmten. Am Abend genossen wir ein leckeres Abendessen – es ging allen von uns wieder gut – und shoppten Souvenirs.

Am frühen Morgen zogen wir uns Schicht für Schicht an. Ausgerüstet wie im tiefsten Winter – es hatte nachts immerhin -30°C – marschierten wir los zur Schneeskulpturenausstellung. Leider war die nicht ganz so leicht zu finden als wir dachten. Weder die Mitarbeiter im Hostel konnten uns weiterhelfen noch war die Austellung ausgeschildert. Eine Stunde lang suchten wir danach und nur durch Zufall fanden wir sie letztenendes. Ein Glück. An der Kasse mussten wir einen stolzen Preis zahlen, da internationale Studentenausweise nicht akzeptiert wurden. Zwei Stunden lang liefen wir darauf durch den Park.


Überall entlang der Wege standen atemberaubende Schneeskulpturen. Es gab sogar ein Schloss und ein Dorf nur aus Schnee.


Es war beeindruckend. Teilweise völlig durchgefroren ging es danach schnell wieder zurück ins Hostel. Aufwärmphase. Am Abend, als es bereits dunkel war, zogen wir noch einmal los. Dieses Mal wollten wir zur Eis-und Schneewelt. Auch dort war es gigantisch.


Es gab unzählige Eissklupturen, die in den verschiedensten Farben beleuchtet wurden. Darunter befanden sich Kirchen, Schlösser, Skulpturen, das Colosseum und vieles mehr.


Man konnte dort in eine chinesische Vorstellung, Eisrutschen hinunter rutschen, bei der Bühnenshow mittanzen – dabei wurden einem super warm – und in ein europäisches Theater, in das wir auch hineingingen. Es war eine gute Möglichkeit sich wieder etwas aufzuwärmen. Als die Show begann, konnten wir mit dem Lachen kaum noch aufhören. Es war fast schon traurig, was als europäisches Theater verkauft wurde.Wir waren insgesamt vier Stunden in der Eis und Schnee Welt bis wir endlich gingen, was unter anderem auch daran lag, dass zugemacht wurde. Der Tag war ein voller Erfolg.


An unserem letzten Tag in Harbin gingen wir zum Frühstücken in ein Einkaufszentrum. Dort bekam man problemlos Cornflakes mit Jogurth, mehr oder weniger Kaffee, Donuts, (chinesisches) Gebäck, Eis und vieles mehr. Wir kauften noch etwas ein, bevor wir uns mittags zum Mittagessen mit zwei Australiern, die wir bereits in Xi'an kennen gelernt hatten, trafen. Das Essen in dem Restaurant war richtig lecker. Wir aßen sozusagen selbstgemachte Frühlingsrollen. Danach schlenderten wir durch Harbin bis wir den Entschluss fassten mit der Gondel auf die andere Flussseite zu fahren und in das Polaraquarium zu gehen. Die Aussicht von der Gondel aus war super. Man konnte einen großen Teil der Stadt sehen. Das Polaraquarium war allerdings eine reine Enttäuschung. Man konnte riesige Eisbären, Robben, Delfine, Schneefüchse und Co in extrem kleinen Käfigen sehen. Der Platz für die Tiere reichte gerade einmal aus, um sich einmal im Kreis drehen zu können. Mehr nicht. Es war grauenhaft die Tiere so extrem eingesperrt zu sehen. Betrübt verließen wir das Polaraquarium wieder. Anstatt mit dem Bus zurückzufahren, beschlossen wir über den zugefrorenen See über eine Stunde lang zurückzulaufen. Die Eisschicht war so unglaublich dick, dass LKWs und schwereres problemlos den Fluss überqueren konnten. Zurück in der Altstadt Harbins aßen wir noch gemeinsam zu Abend bevor es für uns Zeit wurde, unsere Sachen zusammenzupacken, uns zu verabschieden und uns auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Es war eine schöne, etwas eisige Zeit in Harbin. Der Abstecher hatte sich definitiv gelohnt.


6.3.14 13:03

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