29.Januar-02.Februar 2014

Shanghai

Shanghai ist die modernste Stadt Chinas. Wer in China war, muss auch Shanghai gesehen haben. Sie ist die Stadt des internationalen Handels und das meiste, das wir aus China kennen, kennen wir von dort. Hier öffnet sich China der Welt. Zwar ist Shanghai modern und international, allerdings repräsentiert diese Stadt nicht mehr das wahre China. Das Leben hier ist ein anderes. Wir dachten fünf Tage in dieser riesen Stadt würden ausreichen, tatsächlich gab es aber so wenig zu sehen, dass auch weniger gereicht hätten. Wir kamen am Mittwoch an. Shanghai war wie leer gefegt, da jeder nach Hause gefahren war, um in das chinesische Neujahr zu feiern. Nur wenige leben tatsächlich in Shanghai, die meisten ziehen nur zum Arbeiten in die Stadt. Nachdem wir ausgepackt und etwas gegessen hatten, liefen wir nachts zum Bund, um die Shanghaier Skyline bei Nacht zu bewundern.


Sie kam uns recht klein vor, nachdem wir alle bereits die Skyline in Hongkong gesehen hatten, dennoch gefiel es uns hier besser. Es gab weniger Wolkenkratzer und auch die Stadt wirkte attraktiver. Etwas verwirrend waren die Häuser auf unserer Seite des Flussufers. Sie sahen aus wie eine Miniatureuropaspielzeugstadt. Die Häuser waren bunt zusammengewürfelt, in den verschiedensten Stilen der europäischen Architektur, einschließlich eines gefakten Big Bens. Wir liefen entlang des Ufers zurück zum Hostel. Dort beschlossen wir dann zusammen mit einem Kanadier – sein Name war Gordon – Siedler von Catan zu spielen und den Abend entspannt ausklingen zu lassen.

Am darauffolgenden Tag standen wir früh auf und liefen auf der menschenleeren Nanjing Road – die Shoppingstraße – zum Peoples Square. Wir entschieden uns dagegen eine Sightseeingtour mit einem Bus zu machen, da es aus unserer Sicht sowieso nicht viel zu sehen gab. Wir wollten uns am Peoples Square ein Museum ansehen, genauer gesagt die Shanghai Urban Planning Exhibition Hall, die das zukünftige Shanghai im Jahr 2020 veanschaulichen soll. Leider hatte diese aufgrund des chinesischen Neujahrs während unseres gesamten Aufenthalts geschlossen, was wir sehr bedauerten. Also fuhren wir mit der Metro zur französischen Konzession. Dort befindet sich der eher elegantere Teil der Stadt. Man findet teure Shoppingcenter sowie edle Wohnungsblöcke vor. Wir schlenderten durch die vielen kleinen Gassen an kleinen Cafés, Restaurants und Souvenirläden vorbei.


Die Häuser waren im französischen Stil gebaut und man verlor sich in einer komplett anderen Welt. Wir machten es uns in einer Pizzeria bequem und ich bestellte mir eine leckere Hawaiipizza mit Salat. Zur Abwechslung schmeckte die Pizza auch nicht chinesisch. Darauf verbrachten wir äußert lang in der Galerie eines chinesischen Fotografen. Er hatte viele wundervolle Bilder, sodass wir uns am Ende alle ein kleines Andenken mitnahmen. Zum Abschluss des Tages schauten wir uns den Bund noch einmal bei Tag an.


Es war chinesisches Silvester an jenem Tag, sodass wir abends zum Yuyuan Garten liefen um in der Altstadt die Neujahrsdekoration mit den vielen leuchtenden Laternen zu betrachten. Dort trafen wir uns auch mit Kati und Veniamin – zwei Teilnehmern von ATC. Als wir zurück im Hostel waren, wurden wir spontan von anderen Reisenden eingeladen mit in einen Club zu kommen bevor wir um Mitternacht das große Feuerwerk betrachten würden. Schnell machten wir uns fertig, was gar nicht so leicht war, da man zum Reisen nicht unbedingt schicke Sachen einpackt. Wir mussten mit dem Aufzug in den sechsten Stock fahren und kamen in einem sehr exklusiven Club heraus. Als Ausländer bekamen wir Champagner umsonst, sodass man vor uns einen großen Champagnerkühler mit zehn Champagnerflaschen aufstellte. Wir machten es uns auf einem Sofa bequem und ließen es uns gut gehen, wobei wir uns in der Umgebung nicht ganz so wohl fühlten. Wir verließen vorzeitig den Club und gingen auf eigene Faust zum Bund um das Feuerwerk an der Skyline anzuschauen. Leider war durch das Feuerwerk die Luft so versmogt, dass man kaum noch die Hand vor Augen sehen konnte, geschweige denn ein Feuerwerk. Weiter in der Innenstadt wurde die Luft besser, sodass wir wenigstens zwischen den Häuserdächern hindurch noch ein schönes Feuerwerk gesehen hatten.

Am darauffolgenden Tag haben wir erst einmal ausgeschlafen. Am Nachmittag ging es erneut zum Yuyuan Garten, um vor allem den Garten, aber auch die Altstadt noch bei Tag zu sehen. Doch wieder hatten wir vergessen, dass chinesisches Neujahr war und sowohl Museen, als auch dieser Garten geschlossen waren. Daher liefen wir nur durch die Altstadt, die jedoch extrem überfüllt war. Uns kam es im Vergleich zum Vortag fast so vor, als hätte man plötzlich die Chinesen wieder aus den Käfigen gelassen.


Uns war es letzten Endes einfach zu voll, sodass wir wieder zur französischen Konzession fuhren und uns dort stundenlang in ein Café setzten. Wir blieben bis kurz nach 22 Uhr. Als wir mit der Metro zurück fahren wollten, wurden wir aus der Metrostation geschickt. Der Grund: Es fuhr keine Metro mehr. Um 22.30 Uhr fährt in der großen Metropole Shanghai keine Metro mehr. Es war unglaublich. Wir waren fassungslos und hatten keine andere Wahl als zurückzulaufen. Zum Glück hatten wir unseren Lonely Planet mit einem kleinen Stadtplan dabei, sodass es kein Problem war, zurück zum Hostel zu finden. Wir können heute noch darüber lachen, dass um 22 Uhr in Shanghai Sendepause ist und weder viele Menschen unterwegs sind noch die Metro fährt.

Am Samstag wurde zuerst einmal die Wäsche gewaschen, was schließlich auch sein muss. Den gesamten Morgen warteten wir darauf, dass der Trockner endlich fertig wurde. Daher konnten wir erst gegen Nachmittag wieder losziehen. Da die Museen noch immer geschlossen hatten, besuchten wir den Jade Buddha Tempel. Wir mussten 20 Yuan Eintritt in den Tempel zahlen, doch um den Jade Buddha zu sehen wurden nochmal 10 Yuan verlangt. Wir sahen es nicht ein, uns so ausbeuten zu lassen und verzichteten im Endeffekt darauf. Am Abend ging es nach Pudong, auf die andere Seite des Flusses. Pudong ist das Finanzviertel von Shanghai. Dort steht der berühmte Oriental Pearl Tower sowie das Shanghai World Financial Center. Das Center sieht meiner Meinung nach aus wie ein überdimensionaler Flaschenöffner.


Da das Finanzcenter momentan noch das höchste Gebäude in Shanghai ist, bot es sich an, dort einmal hinaufzufahren. Der Aufzug war beeindruckend schnell. Innerhalb einer Sekunde passierte man mehr als ein Stockwerk. Es ging bis in das 100.Stockwert. Die Aussicht war natürlich genial. Man befand sich direkt über dem Loch des Towers. Der Boden war teilweise aus Glas, sodass man teilweise bis zur Straße hinunterblicken konnte. Das Geld war gut investiert und dadurch, dass unsere Personalausweise in China als Studentenausweise durchgehen, mussten wir auch nicht allzu viel bezahlen.


Bevor es zurück ins Hostel ging, shoppten wir noch kurz vor Ladenschluss im Forever 21. In China kennt man keinen Kundenservice, sodass wir bei der Anprobe aufgefordert wurden, uns mehr zu beeilen, da sie den Laden schließen wollten. China eben. Wir hatten noch kein Abendessen gehabt, sodass uns der Subway nur Recht war. Es war nicht einmal 23 Uhr, doch die Einkaufsstraße war menschenleer und wurde bereits gesäubert – teilweise mit Wischmop.

An unserem letzten Tag bildeten wir unsere Allgemeinbildung und besuchten das Rockart Museum, das einzige Museum, das bereits wieder geöffnet hatte. Wir dachten, dass das Museum ein Galerie verschiedener Künstler sei, allerdings stellte sich heraus, dass sich darin nur die Ausstellung einer einzelnen Künstlerin aus London befand. Ihr Name ist Bharti Kher. Wir persönlich fanden die Ausstellung recht außergewöhnlich, hatten aber Schwierigkeiten den tieferen Sinn hinter ihren Skulpturen zu erkennen. Am Mittag versuchten wir es ein drittes mal beim Yuyuan Garten. Dieses Mal hatte dieser endlich offen. Nachdem wir allerdings so verzweifelt versucht hatten, hinein zu kommen, waren die Erwartungen hoch und das Ergebnis enttäuschend. Der Garten war schön, aber nichts besonderes. Am faszinierendsten fanden wir die Bonsai Blüten und eine sehr kompetente Verkäuferin. Nachdem sie erfahren hatte, woher wir kommen, sprach sie auf Deutsch: „Guck a mol, Jade, alles echt. Hier Schwein. Schön, schön.“ Wir krümmten uns vor Lachen, kauften aber nichts.

Ein interessantes Abenteuer war es auch unser Guthaben fürs Handy aufzuladen. Nach langem Suchen fanden wir endlich den China Unicom Laden. Die Verkäufer dort meinten aber, dass sie das Guthaben nicht aufladen können, da die Simkarte in Guangxi, einer anderen Provinz gekauft worden war. Man kann in China also nicht in anderen Provinzen das Guthaben seiner Handykarte aufladen, obwohl man beim gleichen Anbieter im Laden steht. Wir schüttelten unsere Köpfe. Diese Logik wollte uns einfach nicht einleuchten.

Da es unser letzter Abend war, beschlossen wir in eine Bar zu gehen und Cocktails zu trinken. Wir trafen uns dort erneut mit Kati und Veniamin. Diese brachten noch ihre Zimmerkameraden Estephan (aus Mexiko) und den Holländer (Name entfallen) mit. Wir hatten eine sehr witzige Unterhaltung und verließen nur ungern die Bar, doch die Müdigkeit überwog.

Am Montag ging unsere Reise weiter. Allerdings blieb uns kurz vor Abfahrt ein weiteres Ärgernis nicht erspart. Wir hatten für die Shanghaier Metro eine Netzkarte gekauft. Man muss dafür ein Pfand zahlen. Wenn man diese zurückgibt, bekommt man logischerweise den Pfand zurück. Genau das hatten wir auch am Shanghaier Bahnhof vor. Problem: Man konnte die Netzkarte nur an dem Schalter zurückgeben, an dem man sie gekauft hatte. Wir regten uns tierisch auf. Sie verlangten tatsächlich, dass wir zu der Station zurückfuhren, die Netzkarte abgaben und dann ein Einzelticket zum Shanghaier Bahnhof lösten. Wir verzichteten allerdings auf diesen Quatsch und behielten die Netzkarte. Chinesen und ihre Logik. Unbegreiflich.

Alles in allem war Shanghai eine schöne Stadt, aber viel zu sehen gab es nicht. Auch das Verhalten der Einheimischen in der Metro war eine Frechheit. Es gab viel internationales, was zur Abwechslung gut tat, aber im Endeffekt war Shanghai nicht unser Lieblingsort, das stand fest.

2 Kommentare 14.2.14 15:44, kommentieren

28.Januar 2014

Wuzhen

Wuzhen gehört zu den vielen Wasserstädten, die es dort in der Umgebung gibt. Durch die vielen Wasserkanäle, die durch die Stadt führen, war Wuzhen früher einmal eine „blühende Handels-und Seidenstadt“. Für die Touristen wurde sie vor Jahren aufwendig restauriert. Daher mussten wir auch einen stolzen Eintrittspreis zahlen.

 


 

Wir liefen über Kopfsteinpflaster entlang der Wasserkanäle und Holzhäuser und genossen die Atmosphäre. Man konnte eine Pagode, eine Art historische Oper, einige Manufakturen sowie Mausoleen ansehen. Wir verbrachten fast den gesamten Tag dort, was allein an der zweistündigen Fahrt jeweils lag.

 

 

1 Kommentar 7.2.14 16:21, kommentieren

27.Januar 2014

Hangzhou


Hangzhou ist einer der beliebtesten Reiseziele Chinas. Viele Touristen führt es hierher. Das interessanteste dort ist der große Westsee mit den grünen Hügeln in der Umgebung. Er ist der Inbegriff klassischer Schönheit in China, so heißt es zumindest in unseren Reiseführern. Das ließen wir uns natürlich nicht nehmen. Wir fuhren mit einem der wenigen freien Züge von Nanjing nach Hangzhou. Natürlich erwischten wir mal wieder den langsamsten Zug, sodass wir unnötiger Weise acht Stunden brauchten. Wir hatten einen Tag für die Besichtigung Hangzhous eingeplant, da es neben dem Westsee nicht mehr so viel spannendes zu sehen gibt, dass uns überzeugte, länger zu bleiben. Wir liehen uns am Hostel Fahrräder aus, um gemütlich um den See zu radeln. Unglücklicherweise hatte ich noch immer mit meiner Erkältung zu kämpfen, sodass schon diese Radtour mich völlig erschöpfte. Im Nachhinein stellten wir fest, dass es intelligenter gewesen wäre, zu laufen, da an manchen Uferstellen keine Fahrräder erlaubt waren. Der See war tatsächlich sehr schön.


Wir brauchten einige Stunden bis wir ihn umrundet hatten. Unterwegs trafen wir uns mit Kati, einer anderen Teilnehmerin von ATC, um mit ihr gemeinsam den Tag zu verbringen.


Wir beendeten unsere Tour mit einem Besuch im Jingci Tempel, sowie dem Seidenmuseum von Hangzhou. Danach war ich zu erschöpft, um noch irgendetwas anderes zu unternehmen. Deshalb trennten wir uns von Kati und fuhren zurück ins Hostel. Während ich mich drei Stunden lang seelenruhig ausruhte, machte sich Swantje auf den Weg, um den Sonnenuntergang zu fotografieren.


Als ich gegen Abend wieder von den Toten erwachte, schlenderten wir noch ein wenig durch die Altstadt, kauften kleine Souvenirs und aßen eine Kleinigkeit, bevor ich erneut tot müde ins Bett fiel. Meine Erkältung nahm mich stark mit. Zum Glück hatten wir ein tolles Hostel mit bequemen Betten.


6.2.14 15:32, kommentieren

24.Januar 2014

Nanjing

Unser nächster Stop war Nanjing. Wir hatten ja eigentlich geplant nun die Kreuzfahrt auf dem Yangze zu machen, sodass Nanjing in Wahrheit nur Plan B gewesen ist. Nanjing war zweimal für kurze Zeit lang die Hauptstadt Chinas. Wir erhofften uns also viel. Allerdings stellten wir recht schnell fest, dass es nur wenig spannendes dort zu sehen gibt. An unserem ersten Tag in Nanjing schauten wir uns morgens die Nanjing Yangze Fluss Brücke an. Sie ist über 4500m lang und zählt zu den längsten Brücken Chinas.

Außerdem ist die Brücke zweistöckig. Oben befindet sich eine normale Straße, während darunter die Züge fahren. Wir erhofften uns jedoch aufgrund unseres Reiseführer eher mehr als wir tatsächlich vorfanden. Naja, der Tag war noch lang, also beschlossen wir darauf zum Xuanwu Seepark zu fahren.


Dort hatte man eine schöne Aussicht auf Nanjings Skyline.


Wir spazierten auf den miteinander verbundenen Inseln des Sees und genossen das schöne Wetter. Bevor die Sonne komplett unterging, schauten wir uns noch den buddhistischen Jiming Tempel an. Da ich schreckliche Gliederschmerzen hatte, war ich darauf auch schon zu erschöpft um noch mehr zu unternehmen. Ich war froh, als ich wieder in meinem Bett lag und mich ausruhen konnte. Dabei war es erst 18 Uhr. Zwischendurch wachte ich noch einmal auf, räumte etwas auf und putzte Zähne, jedoch fiel ich danach wieder müde ins Bett.

Am nächsten Morgen ging es mir leider noch schlimmer als am Tag zuvor. Ich hatte starken Husten und noch immer Gliederschmerzen. Ich wollte aber unbedingt noch die Gedenkstätte für die Opfer des Nanjing Massakers sehen, sodass ich mich dennoch für den Tag fertig machte. Die Gedenkstätte war beeindruckend. Chinesen haben eine ganz andere Art und Weise ein Museum bzw. eine Gedenkstätte aufzubauen. Man spürte richtig die tief sitzende Trauer und Wut der Chinesen gegenüber den Japanern. Was geschah? 1937 griff Japan China grundlos an. Einfach aus Hass. In diesem Jahr geschah auch das Nanjing Massaker bei dem über 300.000 Menschen starben.

 

Dies waren nicht einfach nur Soldaten, nein, es waren auch viele unschuldige Zivilisten dabei. Die Japaner stürmten in Wohnungen und ermordeten alle, die sie vorfanden. Kinder, Mütter, Väter, Alte...alle. Dieser Krieg endete erst mit der Kapitulation Japans am Ende des zweiten Weltkriegs. „In doing so they perpetrated an extraordinarily shocking tragedy and left a brutal and horrible page in the annals of human history.“ Dies stand so im Museum...und ganz unrecht haben die Chinesen damit ja nicht. Wir verbrachten sehr lange in dieser Gedenkstätte, sodass wir nicht mehr viel anderes unternahmen. Ich fuhr wieder sehr früh zurück ins Hostel um mich hinzulegen. Bettruhe ist ja bekanntlich die beste Medizin. Außerdem trifft sich krank sein auf Reisen nicht so gut.

1 Kommentar 29.1.14 12:05, kommentieren